Pferdearbeit

Die Verbreitung des Traktors in Europa Anfang des 20. Jahrhunderts schien das Ende der Arbeitspferde eingeleitet und besiegelt zu haben. Die paar fortschrittsfeindlichen Sturköppe, welche unbeirrt an der Pferdearbeit festhielten, wurden milde belächelt.

Dazu gibt es heute keinen Grund mehr. Immer stärker treten die Probleme zu Tage, welche die intensive Landwirtschaft mit den größer werdenden Maschinen mit sich bringt: Bodenverdichtung, Lärm, Gestank, Monokulturen, Nachtarbeit im Scheinwerferlicht der Traktoren, Entfremdung vom Boden und der Natur, Stress,…

Deswegen entdecken gerade jüngere Leute die Pferdearbeit wieder – und können von Glück reden, wenn sie noch vom Wissensschatz der„alten Sturköppe“ profitieren können.

Dabei besteht die Pferdearbeit heutzutage nicht nur aus dem wieder aufgewärmten Wissen vergangener Zeiten. Obwohl viele der traditionellen Geräte auch heute noch hervorragende Arbeit leisten können – auf Grund ihrer robusten, einfachen Bauweise und weil sie so unglaublich gut durchdacht sind in ihrer Einfachheit – werden immer mehr Geräte für die Pferdearbeit heutzutage neu gebaut. Auf Europas größter Zugpferdemesse PferdeStark finden sich viele Firmen, welche neue Pferdegeräte konstruieren darunter auch die Vereinigung Prommata (www.prommata.org ) welche mir für diese Tour ihre wahnsinnig vielfältige Kassine zur Verfügung stellt.

Mittlerweile gibt es immer mehr europäische Hersteller moderner Pferdegeräte. Lange Zeit kamen neue Pferdegeräte fast ausschließlich aus den USA, wo aus der Glaubensgemeinschaft der Amish einige Herstellerfirmen hervorgegangen sind. Ihr Glauben verbietet den Amish die Fortbewegung mit Hilfe von Motoren, so dass sie gezwungen waren die Pferdetechnik weiterzuentwickeln. Heutzutage bewirtschaften sie wirtschaftlich erfolgreiche Farmen und sind sogar in der Lage weitere zu gründen. In Deutschland ist die Pferdearbeit in der Landwirtschaft bis auf wenige Ausnahmen noch nicht rentabel – das mag sich bei steigendem Ölpreis ändern – wohl aber ist die Pferdearbeit im Gemüsebau wirtschaftlich! Nicht nur das: Gerade bei direkt vermarktenden Betrieben ist sie ein wirkliches Werbemittel und DER Publikumsmagnet.

Auf Grund des vorgegebenen Arbeitstempos, der zwangsläufigen, regelmäßigen Pausen, der Ruhe und des direkten Kontaktes zum Tier und dem Boden hat sie im wahrsten Sinne des Wortes erdende Wirkung und wird deswegen gerne im Zusammenhang mit Therapien eingesetzt. Die Integration geistig behinderter Menschen oder auffälligen Jugendlichen bietet Höfen eine weitere Einnahmequelle.

Weitere Informationen zur Zugpferdearbeit liefert die Interessengemeinschaft Zugpferde, welche auch eine Ausbildung zur Fuhrfrau/-mann anbietet:

www.ig-zugpferde.de

Der neugegründette Verein FreiLand e.V. setzt sich für eine bodenschonenden und nachhaltige Wirtschaftsweise ein, wozu auch die Zugpferdearbeit gehört. In Zukuft werden regelmäßig Seminare und Vorführungen für Interessierte angeboten.

Bei Interesse melden unter info@pferdetour2017.de

 

Die Fachzeitschrift für Zugpferde ist die Starke Pferde:

www.starke-pferde.de

Klaus Strüber vom Hof Hollergraben arbeitet und forscht seit vielen Jahren zu Arbeitspferden und präsentiert auf seiner Seite interessante Forschungsergebnisse zu Themen wie Bodenverdichtung und -qualität, Kosten und Dieselverbrauch:

www.hof-hollergraben.de