Regen

Wenn diese Tour unter einer Überschrift stehen würde, dann wäre das Regen und Gewitter.

Von Celle zu Hof Michael in Endeholz sind wir noch bei schönem Wetter gekommen. Unterwegs haben wir uns sogar noch “vermehrt”, da zwei MitfahrerInnen hinzugestoßen sind. So verbrachten wir mit den HofbewohnerInnen noch einen schönen Abend bei Feuer und Stockbrot.Am nächsten Tag warnte uns der Wetterbericht vor, dass es ab 14.00 Regen geben sollte. Vielleicht auch erst ab 17.00. Nun ja. Die erste Strecke fuhren wir auf einer schönen Waldstrecke, wo gerade noch der letzte umgestürzte Baum des letzten Sturms beseitigt wurde – dafür wäre meine Handsäge wohl zu klein gewesen. Meine Mitfahrerinnen konnten meine Begeisterung nicht ganz nachvollziehen, aber ich freute mich ungemein über die lange ungeteerte, aber gut befahrbare Strecke. Da macht das Fahren gleich viel mehr Spaß – auch Felix, was man an seinem flotten Schritt merken kann.

Während der Mittagspause zogen schon erste dunkle Wolken auf und ein wenig später fing es erst an zu nieseln und dann in Strömen zu regnen. Nach dem Motto “Augen zu und durch”, gaben wir Gas. Da wir zu dritt sowieso nicht auf die Kutsche passten, fuhr immer eine mit dem – überaus praktischen – Klapprad vorne weg. Sobald Felix vorne jemanden bei sich hat, ist sein Tempo gleich merklich schneller, was in dem Fall nur von Vorteil war.

Kurz vor dem Ziel – Hof Rotdorn in Steimke – hörte es auf zu regnen und innerhalb kürzester Zeit kamen die Bremsen. Und zwar mit einer solchen Aggressivität, dass sie auch uns angriffen. Sonst scheinen sie angesichts eines Pferdes uns MitfahrerInnen eher zu verschonen. Ich bekomme jedenfalls sehr selten mal einen Stich ab.

Auf Hof Rotdorn zogen wir uns um und Felix bekam eine Weide in direkter Nachbarschaft zu den Freiland-Schweinen, dem Markenzeichen des Hofes. Seine Weide war eine gemähte Ackerfläche mit eher wenig Bewuchs.

Um futtertechnisch zwei Tage auszukommen, unternahmen wir am nächsten Mittag nach einer ausgiebigen Trainingseinheit (Es ist wichtig, dass die Pferde sich auch mal ohne Zug locker bewegen können um nicht einseitig belastet zu werden.) einen Futter-Spaziergang – also vielmehr ein Stehen. So gesättigt, sollte die Weide noch bis zum nächsten Morgen reichen.

Angesichts des gerade kaputt gegangenen Stromgeräts allerdings doch eine eher ungünstige Situation. Also wurde der Wecker auf früh morgens gestellt um vor der Abfahrt noch mal ordentlich futtern zu gehen.

Am gleichen Abend begann es wie aus Eimern zu schütten und die Acker-Weide wurde weicher und weicher. Dementsprechend war die Standfestigkeit der Weidezaunpfähle auch eher gering gerade bei dem anhaltenden Wind.

Das immer unguter werdende Gefühl angesichts dieser Lage: Kein Strom, wenig Futter, das gerade auch noch davon gespült wird, kalter Wind, führte dazu, dass ich um 3 Uhr nachts aufstand und eine knappe Stunde mit Felix grasen ging. Da mir die Weide zu unsicher geworden war, brachte ich ihn auf den Hof. Dort existierten allerdings unter Dach keine Anbindemöglichkeiten für Felix abgesehen von der immerhin unter Dach stehenden Kutsche. Da Felix zu diesem Zeitpunkt allerdings sehr unruhig war und er durchaus in der Lage ist auch nur angebunden die Kutsche vom Fleck zu ziehen, wollte ich ihn dort nicht unbeaufsichtigt stehen lassen. Das heißt also, dass ich von 4 bis ca. 7.30 mit Felix im Hof stand und saß bis dann die Familie sich zeigte und wir uns eine bessere Lösung ausdenken konnten, bei der auch verschiedene Mitarbeiter sich einbrachten z.B. durch spontane Futterspenden, da auf dem Hof kein Heu vorhanden war.

Nach immerhin einer Stunde Vormittagsschlaf und etwas Orga brachen wir (Felix, ich und meine beiden Mitfahrerinnen) zu einer Zwischenstation. Statt wie geplant 20km zu fahren, haben wir auf halber Strecke noch eine Unterkunft gefunden. Es war nämlich kein gutes Wetter angesagt…

Für diese Verhältnisse kamen wir ziemlich trocken und gut gelaunt bei unserer Zwischenstation in Erpensen an. Und kaum, dass die Kutsche in der Hofeinfahrt stand, begann es wieder zu schütten. Dieses Mal waren die Bedingungen allerdings wesentlich besser: Mehr Futter, Strom, windgeschützter Platz, fester Boden, Pferdegesellschaft

In Erpensen verließen uns unsere zwei MitfahrerInnen.

Die Aussichten für den Folgetag, den ersten Juli, waren ziemlich regenreich, aber da wir am 2.Juli im Museumsdorf Diesdorf für eine Veranstaltung eingeplant waren, hieß es – mal wieder – “Augen zu und durch”. Zum Glück kam uns Andrea, unsere nächste Gastgeberin, mit Pferd entgegen. So mussten wir nicht nach dem Weg suchen und wir hatten auch noch einen großen Motivationsschub zu verzeichnen.

Die Tatsache, dass wir auf dem ehemaligen Grenzstreifen fahren konnten, beschleunigte die Sachen noch, denn es handelte sich um einen… PLATTENWEG. In Niedersachsen nicht gesehen und kaum, dass wir die ehemalige Grenze überquerten hatten, hatten wir das Glück auf einem zu landen. Wieso diese Begeisterung über einen Weg? Ein Plattenweg hat zwei Fahrspuren und in der Mitte einen Grasstreifen. Ideal zum schnellen, einspännigen Fahren, da die Kutsche leicht rollt, aber das Pferd im Weichen laufen kann.

Angekommen zeigte sich das Wetter schon wieder milder und es bestanden Hoffnungen, dass die sandigen Äcker des Museumsdorfes am nächsten Tag so weit abgetrocknet sein würden, dass eine Bearbeitung möglich wäre.