2x neue Hufeisen, bitte

Nachdem ich während der letzten Tour Felix mit Hufeisen beschlagen hatte, habe ich es dieses Mal mit Duplos versucht, das sind Gummieisen mit einem Stahlkern. Es handelt sich um den Versuch die Erschütterungen, die beim Laufen auf der Straße entstehen abzudämpfen und die Gelenke zu schonen. Außerdem ermöglicht das flexiblere Material eher, dass der so wichtige Hufmechanismus aktiv bleiben kann.

Exkurs Hufe und Hufmechanismus: Ein Huf ist keineswegs ein starrer Klumpen Horn am Ende des Beins, sondern ein sehr lebendiges und bewegliches Organ, das sich beim Gehen weitet und zusammenzieht. Beim Größerwerden fließt Blut aus der Blutbahn in den Huf und beim Zusammenziehen wird das Blut aus dem Huf in die Venen gepumpt. Und das geschieht bei jedem Schritt in allen vier Hufen. Insgesamt wird so das Herz unterstützt, das beim Pferd im Verhältnis zum Körper eher klein ist. Mit Hufeisen kann der Huf sich nicht in dem Maße weiten und zusammenziehen, so dass der Hufmechanismus reduziert ist, d.h. das Herz muss mehr arbeiten. Außerdem sind die Hufe nicht mehr so gut durchblutet. Auf Wärmeaufnahmen ist zu sehen, dass beschlagene Hufe viel kälter sind als unbeschlagene. Das Ziel sollte also sein, die Nutzung und die Haltung so zu gestalten, dass “ein Leben ohne Eisen” möglich ist. Tatsächlich kann man Hufe durch die Haltungsbedingungen “trainieren”: Wenn man die Pferde so hält, dass sie nicht nur im Weichen (Stroh oder auf der Wiese) stehen, sondern verschiedene und auch harte Untergründe betreten können, passt sich das Hornwachstum an. Letztendlich sind also die Hufe ein Anzeiger für die Haltungsbedingungen.

Wie machen wir das? Bis auf die Zeit der Tour ist Felix unbeschlagen, was seinem Einsatz als Kutsch-/Garten- und Waldpferd nicht im Wege steht. Zum Glück hat er recht gute Hufe, was bei Kaltblütern keine Selbstverständlichkeit ist. Eindeutig ein Versagen der Zucht.

So sahen die Duplos nach fast einem Monat und gut 350km größtenteils Straße aus

Vorne erschienen sie zum Erstaunen des Schmieds so gut, dass wir uns entschlossen sie nicht auszuwechseln.

Hinten sieht man den Eisenkern, da das Gummi schon durchgelaufen war.

Einen Tag nach dem Termin beim Schmied sah eines der Vordereisen bereits so ähnlich aus wie dieses Hintereisen und ich hatte Glück bei einem spontanen Zwischenhalt bei der unter Zugpferdeleuten bekannten Familie Ahrends einen Schmiedetermin zu erhalten.

Weiter ging es um den Nato-Truppenübungsplatz herum Richtung Celle – begleitet von Panzergedonner und Maschinengewehrsalven. Diese waren auch quasi mein Gute-Nacht-Lied beim Zelten und wir wurde bewusst, in welchem Luxus wir hier leben, dass es möglich ist, sich so frei zu bewegen ohne Angst zu haben zwischen Kriegsfronten zu geraten.

Deutschland hat einen erheblichen Anteil an dem Kriegsgeschehen in der Welt – allein schon wegen seiner Rolle als einer er größten Waffenexporteure. Und auf den vielen Militärübungsplätzen gerade in der Lüneburger Heide wird der Krieg vorbereitet und das Töten geübt. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass auf manchen Truppenübungsplätzen Naturschutzgebiete entstehen.